BAS®: Testverfahren für Objektive


Der BAS®-Objektivtest ist ein Test für fotografische Objektive, der für die redaktionelle Nutzung exklusiv für die Zeitschrift Fotomagazin in München durchgeführt wird. Nach seiner Neuentwicklung im März 1998 wurde er im September 1999 unter Verwendung neuester Bildanalysetechniken um bisher noch nicht verfügbare Funktionen erweitert.

Der BAS®-Test wird auch in der Video-, Film- und Sicherheitstechnik erfolgreich eingesetzt und steht für solche Untersuchungen zur Verfügung.

Der Test gliedert sich in folgende Teilbereiche und liefert nach unterschiedlichen Techniken die beschriebenen Ergebnisse:



1. Auflösung, Zentrierung und Farbwiedergabe

Die Messung der Auflösung, Zentrierung und Farbwiedergabe basiert auf der Rückprojektionsmethode. Dabei wird das zu testende Objektiv als Projektionsobjektiv benutzt und eine extrem hochauflösende Testtafel mit Strukturen bis 625 Linienpaaren pro Millimeter auf der Filmebene in den Raum gestrahlt. Dieses Luftbild wird bei einem Masstab von 1:30 bis 1:50 in Ausschnitten mit einer kalibrierten 3-CCD-Hochleistungskamera, Typ Sony DSC-930P, aufgenommen, über einen Computer digitalisiert und schliesslich softwarebasiert ausgewertet.

Die Messung nach Rückprojektion ist Testaufnahmen auf Film um einen Faktor 3 bis 20 überlegen und erlaubt Fehler der Testgeräte und Aufnahmebedingungen deutlich besser auszuschliessen. Diese Messungen können an beliebig vielen Orten und Ausrichtungen der Filmebene bei allen Brennweiten und Blenden erfolgen. In der Zeitschrift Fotomagazin wird bei den wichtigsten Stufen Bildmitte und kurz vor dem Bildrand, bzw. offene Blende und um zwei Stufen geschlossen gemessen. Die Ergebnisse sind die Schärfe, die die aufgelöste Wiedergabe feinster Strukturen bewertet und die Brillanz die zeigt, ob sich kontrastreiche Strukturen mit knackigen Hell- und Dunkelwerten oder eher weich und nebelig darstellen.

 

Testbild optimaler Abbildung:

Grafik zu Schärfe und Brillanz:


Eine sehr unangenehme Fehlerklasse sind die Farbfehler, da sie Fremdfarben und bunte Säume in ein Bild einbringen. Der Farblängsfehler oder chromatische Aberration genannt tritt in erster Linie bei offener Blende auf und kann durch Abblenden verringert werden. Der Farbquerfehler tritt nur ausserhalb der Bildmitte auf und kann durch Abblenden nicht beseitigt werden. Manchmal wird er durch die Kontrastanhebung beim Abblenden bunter und damit deutlicher.


Testbild, kontrastmindernder
Farblängsfehler:

Testbild,
Farbquerfehler:



Analyse
Farblängsfehler:

Analyse
Farbquerfehler:






2. Streulicht, Randabdunklung, Verzeichnung

Diese Messdaten werden für eine hohe Praxisnähe und Genauigkeit anhand von Aufnahmen auf Diafilm gemessen, die daraufhin eingescannt und softwarebasiert ausgewertet werden. Für das Streulicht konfrontiert ein definierter Halogenpunktstrahler das Objektiv mit der schlimmsten Störlichtsituation: Knapp ausserhalb der Bildecke imitiert er die Sonne vor einem schwarzen Hintergrund, so dass eine eventuell verwendete Streulichtblende gerade unterwandert und damit wirkungslos wird. Die entstehenden Geisterbilder werden auf zwei Arten bewertet. Die Abzeichnung beschreibt wie viele Flecken auftreten und wie scharf sich ihre Ränder konkret abzeichnen. Die Schleierbildung zeigt wie der Kontrast des Bildes durch diffuses Streulicht abfällt, das Bild wird weich.


Deutliche Abzeichnung
von Blendenreflexen:

Deutlicher Kontrastverlust
durch Schleierbildung:





Randabdunklung und die Verzeichnung werden an transparenten Testtafeln gemessen. Besonders Weitwinkelobjektive und hochlichtstarke Objektive verlieren bei offener Blende sehr viel Licht zum Rand. Konstruktiv wird bei besseren Modellen nur die durch limitierte Linsengrössen entstehende physikalische Vignettierung verringert. Die projektionsbedingte Randabdunklung besonders bei starken Weitwinkeln ist oft kaum zu reduzieren. Das Beispielbild zeigt, wie der Anwender die Randabdunklung durch Abblenden unterschiedlich vermindern kann.


Abblenden reduziert die
Randabdunklung deutlich,
Objektiv 35 mm 1.8:




Die Verzeichnung erzeugt bevorzugt am Bildrand krumme Linien. Biegen sie von der Bildmitte nach aussen, nennt man sie tonnenförmig, bei Durchbiegen nach innen kissenförmig. Wechselt die Verzeichnung von kissen- zu tonnenförmig, entsteht die besonders unangenehme wellenförmige Verzeichnung. Tonnenförmige Verzeichnung tritt bevorzugt bei Weitwinkelobjektiven und starken Zoomobjektiven in der Weitwinkelposition auf. Kissenförmige Verzeichnung findet man oft bei Zoomobjektiven in der Teleposition.


Deutliche tonnenförmige
Verzeichnung am unteren
Bildrand:





3. Reale Lichtstärke, Lichtverlust im Nahbereich

Die reale Lichtstärke eines Objektives muss nicht zwangsläufig mit der Herstellerangabe übereinstimmen. Bei preiswerten Modellen findet man Differenzen bis zu einer Blendenstufe, da eine hohe Lichtstärke stets hohe Kosten in der Herstellung mit sich bringt. Besonders bei anspruchsvollen Anwendungen in den Bereichen Studio, externe Belichtungsmessung, Sport und Available Light sollte die reale Lichtstärke Beachtung finden. Einfache consumerorientierte Motive sind eher unkritisch.

Durch den Einsatz der kameraeigenen TTL-Messung liefert ein Fehler der realen Lichtstärke keine Belichtungsfehler, da die Kamera ihn automatisch berücksichtigt. Nur mit externen Belichtungsmessern und bei Manuellem Blitzen nach der Leitzahl / Entfernungs – Regel können Belichtungsfehler auftreten.


R-Stop-Fehler von 0.6 Blendenstufen
als Versatz der Linien in der Bildmitte
:



Der Lichtverlust im Nahbereich ist nur bei Makroobjektiven relevant und wird dort bei besonderer Ausprägung genannt.



4. Mechanische Bewertung

Die Bauweise eines Objektives wird nach mehreren Gesichtspunkten bewertet:


-

-


-


-

-


-

-

-


Verarbeitungsqualität und Materialwahl

Gängigkeit und Präzision bewegter Elemente
wie Zoom, Fokussierung, Blende

Oberflächenbehandlung und
Lichtschutzmassnahmen

Typ der Fokussierung

Drehende oder feste Filterfassung, letztere ist
deutlich praktischer für Polfilter

Gegenlichtblende, Ausführung und Gängigkeit

Stativring, Ausführung und Gängigkeit

Blendenring, Abstufung und Gängigkeit